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Biosprit ist klimaschädlich

Wissenschaftler fordern den Stopp des Anbaus von Biokraftstoffen. Simulationen zeigen, dass Biosprit die Emission von schädlichen Klimagasen sogar verschärft.

Rapsfeld© nicky39 - Fotolia.com

Eine Studie (siehe: http://www.sciencemag.org/content/326/5952/527.summary) kommt zum Ergebnis, dass die zunehmende Anpflanzung für Biokraftstoffe die Atmosphäre stark mit zusätzlichen klimaschädlichen Treibhausgasen belaste. Daher fordern die Forscher diese Entwicklung zu stoppen. Timothy Searchinger von der Universität Princeton meint: „Der Fehler ist zwar gravierend, aber man könne ihn aber korrigieren.

Der Trend zur Nutzung von Energiepflanzen werde in den kommenden Jahrzehnten deutlich verstärkt, da Fossile Brennstoffe sich zunehmend verknappen. Wenn nicht umgedacht wird, werde es zum Ende des Jahrhunderts eine größere Anbaufläche für Biokraftstoffe als für die Lebensmittelproduktion geben, so die Prognose der Forscher um Jerry Melillo (am. Marine Biological Laboratory, kurz MBL).

Das Team um Melillo simulierte mit Hilfe von Modellrechnungen, wie hoch die Emission von Treibhausgasen beim Anbau der Pflanzen bis Ende des 21. Jhdt. sein würde. Dabei wurden zwei mögliche Szenarien entwickelt, welche beide auf einem steigenden Bedarf an Rohstoffen zur Biosprit-Gewinnung basieren. Das erste Modell geht davon aus, dass Natur belassene Gebiete als Ackerflächen genutzt werden. Im zweiten Modell wird weniger Neuland erschlossen, vielmehr wird der Anbau auf bestehenden Flächen durch Düngemittel intensiviert.  Berücksichtigt wurden nicht nur der Anbau der Energiepflanzen, sondern auch indirekte Folgen, wie z.B. eine Verdrängung der Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion in neue Gebiete, welche eine zusätzliche Abholzug nach sich ziehen würde. Gerade das Abholzen von Wäldern verursacht eine hohe Entweichung von CO2 in die Atmosphäre.

Beide Szenarien kommen zu dem Ergebnis, dass hohe Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt würden. Im Ersten ist es Freisetzung von CO2 durch Abholzung im Zweiten die Verwendung zusätzlicher Düngemittel. Dünger verursacht chemische Reaktionen im Boden, bei denen N2O (Distickstoffmonoxid) freigesetzt wird.

Melillo warnt vor unbeabsichtigten Folgen des weltweiten Biosprit-Programms, wie die hohen Treibhausgasfreisetzungen, welche durch die Veränderungen der Landnutzung hervorgerufen werden. Das Roden von Wäldern oder anderen Pflanzen und die daraus resultierende Kohlenstoff-Freisetzung muss auch als Emission berechnet werden, so der Wissenschaftler. Ein noch stärkeres Problem birgt die steigende Nutzung von Stickstoffdünger. Der dabei freigesetzte Klimakiller N2O werde bis zum Ende des Jhdt. die Atmosphäre stärker belasten als CO2.

Die Wissenschaftler schreiben auch, die mit dem Biosprit-Anbau verbundenen Emissionen an Treibhausgasen könne durch eine globale Politik, die Wälder hütet und optimale Anwendungen für Stickstoff-Düngemittel unterstützt, drastisch gesenkt werden.

Sollte diese Korrektur ausbleiben, rechne man sogar damit, dass es profitabel sein könnte, große Waldflächen abzuholzen…

Heute ist Donnerstag, der 27.07.2017