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Das Baltikum: Wo Ost und West zusammentreffen

Riga, Tallinn, Vilnius – die Hauptstädte der baltischen Staaten sind voll im Kommen. Nach Jahrzehnten des Eisernen Vorhangs sind hier echte Pioniergeister am Werk, die sich mit Herzblut dafür einsetzen, ihre abgelegene Heimat ins Herz Europas zurück zu führen.

Die Dynamik der nordosteuropäischen Metropolen spiegelt sich im offenherzigen Lifestyle ihrer Bürger und der modernen Architektur wider, die den geschichtsträchtigen Zentren von Lettland, Estland und Litauen nach und nach ein neues Gesicht verleihen. Und dennoch: An kaum einem Ort ist die Vergangenheit Europas so deutlich abzulesen wie bei einer Städtereise in die Kapitalen des Baltikums. Nur wenige Stunden Fährfahrt vom finnischen Helsinki entfernt, galten Estland und die weiter südlich gelegenen Anrainerstaaten der Ostsee für lange Zeit als strategisch wichtiger Außenposten der Sowjetunion. Der ganzjährige Zugang zum Meer für das Riesenreich konnte nur hier gewährleistet werden, weshalb das Baltikum während des Zweiten Weltkriegs zum Spielball Deutschlands und der UdSSR geworden war. Den Einfluss der europäischen Großmächte kann man am Stadtbild aller drei baltischen Großstädte ablesen, vor allem in Riga. Seit dem Mittelalter haben deutsche Kaufmannsfamilien hier gewirkt und einen erheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg Lettlands geleistet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts machten sie ein Drittel der Rigaer Bevölkerung aus – die reich geschmückten Jugendstil-Bürgerhäuser zeugen noch von dieser Blütezeit.
Typisch sowjetisch wiederum ist das im stalinistischen Zuckerbäckerstil erbaute Kultur- und Wissenschaftszentrum in der Neustadt, wo sich mit dem fast 400 Metern hohen Fernsehturm auch das auffälligste Wahrzeichen der Stadt befindet. Von seiner Aussichtsplattform hat man einen tollen Blick auf die Stadt und den Fluss Düna. Weniger kommunistisch, dafür umso russischer ist die Alexander-Newski-Kathedrale in Tallinn (früher: Reval). Mit ihren typisch orthodoxen Zwiebeltürmen gehört das über 100 Jahre alte Bauwerk zum Pflichtprogramm bei Städtereisen in die Kapitale Estlands. Ansonsten ist das Zentrum geprägt von mittelalterlichen Stadtmauern und – neuerdings – von gläsernen Bürotürmen. Der Kapitalismus hat Einzug gehalten im Baltikum und spätestens seit dem Beitritt zur EU im Jahr 2004 entwickelt sich hier eine ganz neue Lebensart: Cyber-Cafes, Nachtclubs und der Strand von Pirita sind die Hot-Spots der jungen Generation! Wichtige Denkmäler sind der Dom, das Rathaus, die Kriegsgedenkstätte und das Memorial zum Untergang der Fähre Estonia am 28. September 1994. Die Dritte im Bunde ist Vilnius (auch: Wilna). Wie in Riga und Tallinn wird auch die hiesige Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gezählt: Gotik, Barock und Renaissance so weit das Auge reicht! Bei einem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen merkt man jedoch auch schnell, dass die zweckorientierte Architektur der Sowjet-Ära hier mitunter die prägnantesten Spuren hinterlassen hat. Doch auch die Plattenbauten sind Teil der Geschichte von Vilnius und verleihen – mittlerweile ergänzt durch modernere Türme aus Glas und Stahl – diesem Ort eine spannende Skyline. Zu den älteren Sehenswürdigkeiten zählen die Stadtmauer, der Turm des Gediminas und die St.-Stanislaus-Kathedrale, allesamt nur einen kurzen Fußmarsch von einander entfernt. Die beste Zeit für eine Städtereise ins Baltikum ist zwischen Mai und September, was jedoch nicht bedeutet, dass die klimatischen Verhältnisse in den drei Ländern sich unbedingt ähneln. In Estland beispielsweise spürt man die Nähe zum Nordpol deutlich, da sich die Längen von Tag und Nacht je nach Jahreszeit enorm unterscheiden. Weiter südlich, in Litauen, entsprechen die klimatischen Verhältnisse wiederum jenen in Norddeutschland und Polen, dafür ist es in Vilnius wegen der kontinentalen Lage meist kälter als in den Küstenstädten Riga und Tallinn, wo es im Sommer durchaus auch mal 30 Grad warm werden kann.

Autor:
Viv Rittersporn
info[ ät ]travelscout24.de


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